Der Kuhhandel mündet in einer Verlobung

Fritz Kächele, dieses "Bierfass uff zwei Fiaß", plant ein Theaterstück fürs Dorffest. Nicht ganz uneigennützig ist dieses Engagement des sonst so arbeitsscheuen Bauern, schließlich spielt er die Hauptrolle und die neue Kellnerin seiner Stammkneipe soll den zweitgrößten Part übernehmen. Bombensicher scheint der ausgetüftelte Plan für das Casting , sitzen im Kuturausschuss doch niemand anders als er selbst und sein verwittweter Saufkumpan Heinz. Doch Fritz hat die Rechnung ohne seine Frau gemacht.

Als Gattin Agnes vom Schildbürgerstreich erfährt, mobilisiert sie die Damen in ihrem Umfeld als da wären: Tochter Eva, der einzige Farbklecks im Flecken, Pfarrköchin Amalie Opferstock, diese "Tabasko-Gosch Gottes" und Schwester Agnes, die vertrocknete Schrappnell: "Ou-ou-ou, ou-ou-ou!" kann man da nur aufjaulen und sich zugleich vergewissern:  "Älles bloß Theater", denn so heißt das neue Stück der Schwabenbühne Asperg.

Nebenbei versucht Fritz seine ungeliebte Schwägerin mittels Anzeige an den Mann zu bringen, und, wo er schon dabei ist, will er im gleichen Inserat eine alte Milchkuh loswerden.

Die Verwechslungen sind vorprogrammiert. Leute verschwinden für Stunden im Schrank oder hinterm Sofa, der Kuhhandel mündet in einer Verlobung wider Willen und was das dörfliche Casting angeht, treten plötzlich drei sehr becircende Ladies hinter Schleiern auf, von denen natürlich keine als Kellnerin jobbt. In der Schwabenbühne hat man den Schwank von Erich Koch glänzend besetzt, sieht man mal davon ab, dass der durchaus gelungene Student von Neuzugang Wolfgang Blank schon ein älteres Semester ist.

Da gibt der Heinz von Gerhard Pientsch einen Sprücheklopfer par excellence - ein Schnaps, ein Reim -, da mimt Eva Bauder das aufsässige Punkt-Gör à la "no future", da verschwindet Margit Giengers Schwester Traudl Gänseschmalz, genannt "Uhu", hinter Zentimeter dicken Brillengläsern und Daniela Schulz' Pfarrköchin Amalie Opferstock macht ihrem Nachnamen alle freudlose Ehre.

Typisch Mundarttheater sind die mehr oder weniger anzüglichen Sprüche, die (anfangs) chauvinischtisch verteilten Charaktere, das Spiel auf einem "intakten" Hof, die Verwechslungen, das daraus entstehende Chaos, welches nach Auflösung verlangt. Gut möglich, dass sich zu diesem Zwecke am Ende er eine oder andere Charakter etwas verbiegen muss. Auf den einschlägigen Laienbühnen eher selten anzutreffen ist dagegen eine Maske und Kostüme (Petra Fröscher, Siggi Offenwanger und Karin Eisele), die Schrit halten mit den Veränderungen der Figuren. In Asperg bleibt dagegen kaum einer so wie er war. Aus dem Muttersöhnchen von Student, der zunächst als eine Art Otto Walkes, im Querformat daherkommt, pellt sich ein Altrocker in Lederkluft, die Pfarrköchin wird zur androgynen Verführerin in Rot, Traudl Gänseschmalz verwandelt sich vom hässlichen Entlein in einen begehrenswerten Schwan, der auch ohne Mitgift unter die Haube kommt, und Tochter Eva legt ihr buntes Gefieder ab: Voilà - nun gefällt sie auch den Eltern.

Zwar: Manche Szenen des von Karin Eisele inszenierten Schwanks hätte etwas straffer daherkommen dürfen, doch auch mit diesem Stück zaubert die Asperger Bühne das, was Fritz Kächele bei seiner "Alten" so sehnlichst vermisst: Amiente.

 

Von Patricia Fleischmann