Erbtante lässt massiven Schwindel auffliegenLudwigsburger Zeitung (08.05.2012)

Der Besuch einer Vorstellung des Schwanks "D'Erbtante" der Schwabenbühne Asperg ist Freunden unbeschwerten Mundarttheaters zu empfehlen. Im Stück von Willy Stock, das Theo Eisele inszenierte, prasseln markige Pointen in schneller Folge auf die Zuschauer herab. Das siebenköpfige Ensemble überzeugt mit ausgelassener Spielfreude.

 

Im leicht verlotterten Haushalt von Hans Hurgele, seinem Bruder Karl und dessen Sohn Thomas bricht helle Aufregung aus, weil die in Australien lebende, verwitwete Tante Barbara in einem Telegramm ihren unmittelbar bevorstehenden Besuch ankündigt. Das wäre gar nicht so schlimm, hätte nicht Hans schon häufig Bettelbriefe an die reiche Erbtante geschrieben und darin von Ereignissen berichtet, die das Leben der drei Männer nachhaltig beeinträchtigt hätten. Der verwitwete Karl habe wieder geheiratet, dessen Sohn sei verlobt und studiere - und außerdem sei es notwendig geworden, eine Haushälterin einzustellen. Der Gipfel der Falschmeldungen wer schließlich die Nachricht, dass Hans ganz plötzlich verstorben sei. Der vermeintlich Tote hatte diesen Brief mit der Unterschrift seines Bruders versehen. Die gute Tante reagierte stets mit einer großzügigen Überweisung.

Nun mussten in aller Eile von den drei Hurgele-Männern die angeblichen Tatsachen hergestellt werden. Zu allem Unglück trafen Tante Barbara und ihre putzmuntere Tochter Lissy aber viel früher als angekündigt im Haus Hurgele ein. Es folgte ein schier unentwirrbares Verwechslungsspiel, das die listenreiche Tante und ihrer Tochter anzettelten und an dessen Ende dann doch alles gut wurde.

Regisseur Theo Eisele, der gleichzeitig auch die Rolle des Hans Hurgele übernahm, brachte pralles, urkomisches Leben in seiner höchst unterhaltsamen Inszenierung auf die Bühne. Zuweilen ging es auch ordentlich turbulent und deftig zu. Um die Handlung mit weiteren Späßen zu bereichern, wirkten der trinkfreudige, ziemlich verhuschte Postbote Max sowie die mit bodenstänigem Mutterwitz und klarem Verstand ausgestattete Nachbarin Bärbel Wargele mit.

Die sieben exzellenten Schauspieler beeindruckten mit komödiantischem Talent. Theo Eisele als Hans Hurgele und Gerhard Pientsch als Postbote Max nutzten als alte Hasen der Schwabenbühne jede Gelegenheit, den Ulk in ihren Rollen auszukosten. Zum ersten Mal stand Micha Rütsche als Karl Hurgele mit ausgeprägtem Talent zum Komischen auf der Bühne, desgleichen Nico Oßwald, der als Sohn Thomas überzeugte. Ebenfalls neu im Ensemble waren Kornelia Seitz als Erbtante, Carolin Zimmer als Lissy und Ulrike Winter als Nachbarin Bärbel Wargele. Auch sie gestalteten ihre Rollen unbeschwert und heiter.

 

Von Rudolf Wesner